Shadow of the Demon Lord

Licht und Schatten

O, allmächtiger Gott, geheiligt sei Dein Name! Dein ergebener Diener Rotze konnte mit Deiner göttlichen Hilfe ein altes, verfallenes Stinkehaus in Crossings von unheiligen Kreaturen der Finsternis säubern und so einen weiteren verdorbenen Winkel dieser Welt mit Deinem himmlischen Licht erhellen. Sergeant Alice von den Browncoats, meine Freunde und ein Ork haben mir dabei geholfen. Möge Dein Licht auch sie erleuchten!

Dabei war es beileibe keine triviale Prüfung für unsere kleine Gemeinschaft. Die widergöttliche Kreatur, aus Toten zusammengenäht, war aus dem grauenhaften Kellerverlies geflohen. Mika, Lamosh, Jeanne und Sergeant Alice stellten ihr nach. Mika verstopfte den schmalen Schacht wie eine brummende Rohrbürste. Als er sich oben endlich hinauszwängte, wartete die Abscheulichkeit bereits mit gezogenem Skalpell und griff an. Doch mit vereinten Kräften konnten sie schließlich das unheilige Konstrukt niederstrecken, das sich dann sofort zu verflüssigen begann.

Nun hatten wir Muße, den Rest des Hauses zu durchsuchen. Im ersten Stock fanden Eamon und ich zu meinem blanken Entsetzen einen Beschwörungskreis, in dem ein unfertiges Skelett lag! Furchtbare Erinnerungen an Lij und die Schreie der Sterbenden stürzten auf mich ein und wie von Sinnen machte ich mich daran, den Kreis und seine ketzerischen Inhalte zu zerstören. Zweifellos war hier auch das andere scheiß Skelett, das uns angegriffen hatte, zu seinem blasphemischen Unleben erweckt worden. Urgh! Bäh! Verzeih meine Wortwahl, großer Gott, aber ich finde, zur Beschreibung solcher Schändlichkeiten kann man auch mal Scheiße sagen – selbst im Gebet.

Im Kellerverlies fanden wir die Leichen (oder Leichenteile) einiger Vermisster sowie auch die sterblichen Überreste der beiden piekfeinen Menschen, die ebenfalls Nachforschungen angestellt hatten. Sie wiesen Tätowierungen eines gehörnten Totenschädels auf, die sie als Mitglieder der Bruderschaft der Schatten kenntlich machten. Wie ich noch aus meiner Zeit in der Stadt der Wunder weiß, ist die Bruderschaft ein Geheimbund der obersten Schichten, deren Anhänger sich in jeder Hinsicht gegenseitig unterstützen. Sehr eigenartig! Was wollten die hier?

Außerdem enthielt das Verlies eine Stahlkammer, die nur von innen zu öffnen ist. Darin fanden wir zwei Podeste und einen offenen Sarg, der benutzt aber teuer anmutete. Auf dem einen Podest war eine leere Haltevorrichtung für ein Buch angebracht und auf dem anderen stand eine Schmuckschatulle, in der wohl mal ein eiförmiger Gegenstand gelegen hatte. Ein Wandteppich zeigte einen facettenreichen Kristall, aus dessen Zentrum eine schlitzförmige Pupille zu starren schien. Ferner fanden wir chirurgische und alchemistische Instrumente im Wert von 8 Silberstücken.

Auch Pater Gregorius fanden wir in dem Verlies – oder das, was von ihm übrig war. Zwar war er noch am Leben, aber ihm fehlte ein Arm, ein Bein, die Zunge und sein Verstand. Er war in einem erbärmlichen Zustand, der uns allen das Herz zerriss. Vielleicht hat ihn Lamosh deshalb ermordet. Vermutlich sah der Ork es als Akt der Gnade. Und da sich bei den anderen kein Widerstand regte, vermute ich, dass er nicht der Einzige war. Dennoch haben sie sich alle gegen Dich versündigt, o Herr. Mord ist nun einmal Sünde – egal aus welchem Grund man ihn begeht. Auch ich habe Schuld auf mich geladen, weil ich es nicht verhindert habe.

Ich hoffe dennoch, dass Du ihnen vergeben kannst, so wie auch ich versuche, ihnen zu vergeben. Denn ich bin mir sicher, sie sind im Herzen gute Menschen, Halbmenschen und Dinge. Selbst der Ork. Vielleicht weiß er es nicht besser. Deshalb bitte ich Dich, sie bei ihrer nächsten Seelenwanderung nicht zu lange für ihre Sünden in der Hölle zu reinigen. Ich als Goblin habe ja keine Seele, wie man mir immer wieder sagt. Dennoch hoffe ich, dass ich meine Schuld durch künftige Taten zu Deiner Herrlichkeit etwas mindern kann. Meine Schuld, die so tief ist, dass sie bis in ebenjene Unterwelt reicht, die ich wohl niemals selbst sehen werde.

Aber es wird spät und ich muss schlafen. Was gibt es noch zu berichten? Wir haben Pater Gregorius beigesetzt und ich versuche zur Zeit, bestmöglich seinen Platz auszufüllen, bis wir einen neuen Pater für die Gemeinde gefunden haben. Ich hoffe, das wird bald sein, denn ich glaube, die meisten Gemeindemitglieder finden mich ekelig. Wir haben Sergeant Alice gebeten, die Stahlkammer zu bewachen, falls doch ein Vampir in dem Sarg wohnen sollte. Doch bisher ist nichts dergleichen dort aufgetaucht.

So, das war es, denke ich. Bleibt nur noch zu hoffen, dass ich bald wieder Gelegenheit haben werde, mit Deinem Licht in die Finsternis dieser Welt zu leuchten. Dein Diener Rotze, Abglanz Deines Lichts.

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Pasetti

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